Wann soll man wilde Igel füttern?

Wann soll man wilde Igel füttern?

Viele sehen das Zufüttern von wilden Igeln als nette Geste. Was sich jedoch viele nicht bewusst sind ist, dass es den Tieren meist mehr schadet als nützt. Nur in gewissen Ausnahmesituationen macht die Zufütterung wirklich Sinn und wird von Igelexperten empfohlen.

Es ist wieder Igel-Saison und bei vielen Tierliebhabern kommt das Verlangen auf, die süssen Stachelknäuel zu füttern, damit sie gross und stark werden. Was viele jedoch nicht wissen: Das ist vielleicht gut gemeint, ist aber für die Wildtiere eher Fluch als Segen. Igel sind bequeme und verfressene Tiere. Sie gewöhnen sich schon nach wenigen Tagen daran, dass es bei dir im Garten was zu Fressen gibt und werden immer wieder erscheinen. Die Folgen dieses Verhaltens sind leider alles andere als positiv:

  • Im Spätherbst und Winter gefütterte Igel gehen eventuell nicht in den Winterschlaf. Der Winterschlaf gehört aber zu deren normalem Zyklus.
  • Das Wildtier ernährt sich in der freien Wildbahn von Insekten, Würmern und anderen Kleinlebewesen. Kein Ersatzfutter kann die Bedürfnisse des Igels zu 100% decken.
  • Jungigel müssen das erfolgreiche Stöbern nach Futtertieren erlernen. Das tun sie nur, wenn man ihnen nicht täglich einen gefüllten Napf vor die Nase setzt.
  • Unsachgemäss eingerichtete Futterstellen ziehen Füchse, Katzen, Ratten und Mäuse an.
  • Verschmutzte Futterstellen sind ein Risiko für Krankheitsübertragungen.
  • Sie finden in der Regel auch in Hitzeperioden und bei grosser Trockenheit im Sommer genügend Futter – auch wenn sie mehr Aufwand beim Suchen haben. Es ist jedoch sinnvoll, dem Igel eine Trinkschale mit Wasser hinzustellen. Angesichts der wochenlang andauernden Trockenheit im Juli-August 2018 waren Ausnahmevorkehrungen angebracht: Jungigel, Igelmütter mit säugenden Jungen und abgemagerte Igel durften situationsbedingt zugefüttert werden, allerdings nur solange, wie die Trockenheit anhielt.

Igel im Gras vor einem Wassernapf

Ausnahmesituationen, in denen die Zufütterung Sinn macht

Dennoch gibt es auch Ausnahmesituationen, in denen gemäss Experten die Zufütterung von Igeln durchaus Sinn macht und den Kleinen auch wirklich hilft:

Wenn im Spätwinter ein Igel zu früh aus dem Winterschlaf erwacht und der Boden noch gefroren ist, kannst du dem Igel Katzennassfutter oder Igelfutter in einem Futterhaus anbieten. Dies jedoch nur solange, bis sich das Wetter verbessert und wieder Futtertiere (Würmer, Käfer, Schnecken etc.) vorhanden sind. Ein Igel, der aus dem Winterschlaf erwacht ist und noch nichts gefressen hat, sollte in den ersten drei Tagen mit zunehmender Futtermenge gefüttert werden. Erhält er von Anfang an die normale Futtermenge, kann es zu einer Magenüberladung kommen. Ein 500g schwerer Jungigel frisst täglich rund 150g Katzennassfutter, ein 800-1000g schwerer (abgemagerter erwachsener) Igel rund 170-200g Nassfutter.

Eine weitere Ausnahmesituation ist, wenn ein Jungigel im Spätherbst (ab Oktober) das winterschlafnotwendige Gewicht von 500-600g nicht erreicht hat. Handelt es sich um einen untergewichtigen, aber gesunden Igel, kannst du ihm direkt am Fundort Hilfe anbieten. Stelle ihm Katzennassfutter oder Igelfutter in einem Futterhaus zur Verfügung und Wasser ausserhalb des Futterhauses (keine Milch). Bitte wäge den Igel von Zeit zu Zeit. Sobald er das Gewicht von 500-600g erreicht hat, sollte er in den Winterschlaf fallen. Tut er das nicht, musst du ihm das Futter entziehen.

Mögliche Gewichtsentwicklung bei Jungigeln im Herbst

Ein Jungigel, der sich sein Futter in der Natur selber suchen muss, kann im Herbst pro Tag ca. 5-10g zunehmen. Wiegt der Igel beispielsweise Anfangs Oktober rund 300g, nimmt er bis Mitte November 225g zu (45 Tage à 5g) und erreicht so das winterschlafnotwendige Körpergewicht von 500-600g.
Ein Jungigel, der draussen zugefüttert wird, kann im Herbst pro Tag ca. 10-15 g zunehmen. Von Anfang Oktober bis Mitte November (45 Tage à 10g) nimmt er also 450g zu und erreicht so das winterschlafnotwendige Gewicht von 500-600g.

Hinweis: Je nach Witterungsverlauf, Höhenlage und köperlicher Fitness gibt es Abweichungen davon. Die Igel nehmen mit zunehmender Kälte ab.

Weitere Informationen zum Thema Igel und Igelfütterung findest du auf der Seite des Schweizerischen Igelzentrums. Sollte der Igel krank sein, wendest du dich am besten an einen Tierarzt oder ans Igelzentrum.

Quelle: Igelzentrum.ch
Bilder: Shutterstock

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