Igel im Garten: Wann Füttern wirklich hilft und wie du richtig hilfst

Igel im Garten: Wann Füttern wirklich hilft und wie du richtig hilfst

Im September und Oktober fressen sich Igel den Winterspeck an. Wer jetzt einen Igel im Garten entdeckt, will helfen, am liebsten mit einem vollen Napf. Doch Füttern ist nur in bestimmten Situationen richtig. Was den Tieren wirklich hilft, ist ein Garten, in dem sie selbst Futter, Wasser und einen Unterschlupf finden. Hier erfährst du, wann Zufüttern sinnvoll ist, was in den Napf darf und wann ein Igel in fachkundige Hände gehört.

Warum der Herbst für Igel entscheidend ist

Igel halten von etwa November bis März Winterschlaf. Während dieser Zeit verlieren sie rund einen Drittel ihres Körpergewichts. Ein erwachsener Igel sollte deshalb mit mindestens 800 Gramm in den Winterschlaf gehen, ein Jungigel aus dem Spätsommer braucht mindestens 500 bis 600 Gramm. Wer darunter liegt, überlebt den Winter oft nicht.

Genau hier liegt das Problem der späten Würfe: Jungigel, die erst im August oder September geboren wurden, haben nur wenige Wochen, um dieses Gewicht zu erreichen. Gleichzeitig wird das natürliche Futter knapp, weil Käfer, Würmer und Schnecken mit den ersten kalten Nächten seltener werden. Diese Tiere sind es, die im Oktober Hilfe brauchen können.

Warum Füttern in der Regel nicht die Lösung ist

Ein gesunder, erwachsener Igel findet in einem naturnahen Garten genug Futter. Wird er trotzdem regelmässig gefüttert, hat das Folgen: Er stellt die Nahrungssuche ein, weil der Napf bequemer ist. Jungigel lernen nicht, selbst zu jagen. An der Futterstelle treffen sich mehrere Igel, dazu Katzen, Füchse, Ratten und Mäuse, und mit ihnen Krankheiten und Parasiten. Und ein Igel, der im November noch täglich gefüttert wird, findet unter Umständen nicht in den Winterschlaf.

Igelstationen in der Schweiz raten deshalb: Nicht dauerhaft füttern, sondern den Garten igelfreundlich gestalten und nur in Ausnahmesituationen zufüttern.

Wann Zufüttern sinnvoll ist

  • Untergewichtige Jungigel ab Oktober: Ein Jungigel, der Anfang Oktober deutlich unter 500 Gramm wiegt, aber munter und gesund wirkt, darf direkt am Fundort zugefüttert werden, bis er das Gewicht erreicht hat. Wiegen kannst du ihn mit einer Küchenwaage in einer Schachtel.
  • Frühes Erwachen im Spätwinter: Wacht ein Igel im Februar oder März auf, während der Boden noch gefroren ist, findet er nichts. Dann hilft eine Futterstelle für einige Tage, mit langsam steigenden Mengen, damit sich der Magen umstellen kann.
  • Anhaltende Trockenheit: In sehr trockenen Spätsommern finden Igel kaum Würmer und Schnecken. Wasser ist dann wichtiger als Futter, eine Zufütterung kann aber vorübergehend sinnvoll sein.
  • Igelmütter mit Jungen: Eine säugende Igelmutter hat einen enormen Energiebedarf. Wenn du ein Nest mit Jungen im Garten hast, darfst du in der Nähe ein Futterhaus aufstellen.

Was in den Napf darf und was nicht

Igel sind Insektenfresser. Ihr Futter muss proteinreich und fettreich sein und darf keinen Zucker enthalten.

Geeignet:

  • Spezielles Igelfutter, zum Beispiel das Igelfutter von Claus, das auf den Nährstoffbedarf abgestimmt ist.
  • Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil, ohne Sauce und ohne Getreide.
  • Ungewürztes Rührei oder kurz angebratenes, ungewürztes Hackfleisch als Ergänzung.
  • Immer Wasser in einer flachen Schale. Frisches Wasser ist das Wichtigste, was du einem Igel anbieten kannst, den ganzen Sommer und Herbst.

Nicht geeignet:

  • Milch. Igel vertragen keine Laktose und bekommen davon lebensgefährlichen Durchfall.
  • Obst, Rosinen, Nüsse und Haferflocken. Igel können pflanzliche Nahrung kaum verdauen.
  • Gewürzte Speisereste, Brot, gesalzenes Fleisch, Wurst.
  • Hundetrockenfutter mit hohem Getreideanteil.

Stelle das Futter abends hin und räume Reste am Morgen weg. Reinige Napf und Futterhaus täglich mit heissem Wasser. Ein Futterhaus mit kleinem Eingang oder einem Tunnel hält Katzen und Füchse fern.

Der igelfreundliche Garten: die nachhaltigste Hilfe

Was Igeln langfristig hilft, kostet nichts: Struktur und Unordnung. Ein Garten, in dem Igel leben können, bietet Futter, Wasser, Deckung und einen Winterschlafplatz.

  • Laub liegen lassen. Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke ist gleichzeitig Futterquelle und Winterquartier. Unter dem Laub leben Käfer und Würmer, im Laub schläft der Igel.
  • Durchgänge schaffen. Igel wandern nachts bis zu zwei Kilometer. Ein Loch von 10 auf 10 Zentimetern im Zaun oder ein Spalt unter dem Gartentor verbindet deinen Garten mit den Nachbargärten.
  • Kein Gift. Schneckenkörner töten die Schnecken, von denen der Igel lebt, und vergiften ihn indirekt. Verzichte auf Pestizide und Kunstdünger.
  • Gefahren beseitigen. Mähroboter nur tagsüber laufen lassen, nie in der Dämmerung oder nachts. Teiche mit einem Brett oder einer flachen Uferzone als Ausstieg sichern. Netze, Kellerschächte und Lichtschächte abdecken. Vor dem Mähen von hohem Gras und vor dem Umsetzen von Kompost oder Asthaufen nachschauen.
  • Einen Unterschlupf anbieten. Ein Igelhaus mit Eingangstunnel bietet Schutz vor Katzen, Füchsen und Nässe. Stelle es an einen ruhigen, schattigen Platz unter Sträucher, mit dem Eingang weg von der Wetterseite, und fülle es mit trockenem Laub oder Stroh. Im Frühling und Herbst kann es zusätzlich als Futterhaus dienen.
Igelhaus aus Holz mit Eingangstunnel im Garten
Ein Igelhaus mit Tunnel hält Katzen und Füchse fern und bietet einen trockenen Winterschlafplatz.

Wann ein Igel Hilfe braucht

Nicht jeder Igel, den du tagsüber siehst, ist krank. Aber diese Zeichen bedeuten, dass er in fachkundige Hände gehört:

  • Er liegt tagsüber offen herum, torkelt oder rollt sich beim Berühren nicht ein.
  • Er ist sichtbar abgemagert, mit eingefallenen Flanken und einer Einbuchtung hinter dem Kopf.
  • Er hustet, röchelt oder hat Fliegeneier oder Maden im Fell.
  • Er hat sichtbare Verletzungen, etwa vom Mähroboter oder von einem Hund.
  • Jungigel laufen im November noch herum oder sind sichtbar kleiner als eine Faust.

Setze den Igel dann mit Handschuhen in eine Schachtel mit Zeitungspapier und einer lauwarmen Wärmflasche, biete Wasser an und kontaktiere die Igelstation oder das Igelzentrum in deiner Region. Diese Stellen wissen, ob der Igel Pflege braucht oder ob eine Zufütterung am Fundort reicht. Versuche nicht, ein geschwächtes Tier selbst über den Winter zu bringen.

Häufige Fragen

Soll ich Igel im Herbst füttern?

In der Regel nein. Gesunde Igel finden im naturnahen Garten genug. Zufüttern ist sinnvoll bei untergewichtigen Jungigeln ab Oktober, nach frühem Erwachen im Spätwinter und bei langer Trockenheit.

Wie schwer muss ein Igel für den Winterschlaf sein?

Jungigel mindestens 500 bis 600 Gramm, erwachsene Igel um die 800 Gramm oder mehr. Wiegen geht mit einer Küchenwaage und einer Schachtel.

Dürfen Igel Milch trinken?

Nein, niemals. Igel vertragen keine Laktose und bekommen davon schweren Durchfall. Biete immer nur Wasser an.

Was frisst ein Igel?

Käfer, Larven, Würmer, Schnecken. Als Zufutter eignen sich spezielles Igelfutter oder getreidefreies Katzennassfutter, kein Obst, keine Nüsse.

Wo stelle ich ein Igelhaus hin?

An einen ruhigen, schattigen Platz unter Sträuchern oder an einer Hecke, mit dem Eingang von der Wetterseite abgewandt. Innen trockenes Laub oder Stroh, und dann in Ruhe lassen.

Kurz zusammengefasst

  • Igel brauchen für den Winterschlaf 500 bis 600 Gramm als Jungtier, rund 800 Gramm als erwachsenes Tier.
  • Dauerhaftes Füttern schadet. Zufüttern nur bei Untergewicht, frühem Erwachen oder Trockenheit.
  • Im Napf: Igelfutter oder Katzennassfutter, immer Wasser. Nie Milch, Obst oder Speisereste.
  • Die beste Hilfe ist der Garten: Laub, Durchgänge, kein Gift, Mähroboter nur tagsüber, ein Igelhaus.
  • Kranke oder zu leichte Igel gehören in die Igelstation, nicht in die Wohnstube.

Alles für Igel und andere Gartenbewohner findest du in unserer Rubrik Wildtiere. Lies auch: Wildvögel füttern: ab wann, womit und wie.